Der #rechtschreibticker mal anders – O nein! Oh doch!

In meinem #rechtschreibticker auf Facebook greife ich Rechtschreib- und Grammatikprobleme auf, die mir in meinem Alltag als Lektorin unterkommen.

Manchmal sind es Probleme, bei denen ich selbst plötzlich zu zweifeln beginne und daher schnell den Suchbegriff DUDEN in die Browserzeile tippte. Andermal sind es Fehler und Fragen, die mir immer wieder in Manuskripten begegnen.

Ein Problem wurde mir beim Lesen eines Buches bewusst: Wann schreibt man „oh“ und wann „o“? Zur Klärung dieser Frage brauchte es drei Folgen des #rechtschreibtickers. Am Ende herrschte trotzdem noch ein gewisses Maß an Verwirrung. Warum?

Ojemine!

Ich habe vor langer Zeit einmal gelernt, dass es im Deutschen kein eigenständiges Wort gibt, das aus nur einem Buchstaben besteht. „O“ steht allerdings mit einem eigenen Eintrag im DUDEN. „O“ ist eine Interjektion.
Sie würde früher in Formen der Anflehung, der Anbetung wie in „O Gott!“ oder der Bewunderung wie in „O Tannenbaum“ gebraucht.

Allmählich hat sich ein Gebrauch auch mit anderen Wörtern und Wortgruppen herausgebildet, wie
O nein! O je! O Mann!

Die nähere Erläuterung zu „o“ im DUDEN lautet: „vgl. oh“.
Unter „oh“ steht geschrieben: „[…] in Verbindung mit anderen Wörtern oft ohne h geschrieben […]“.
Tja, was heißt „oft“?

Oh, oh!

Wenden wir uns zunächst dem Oh zu. „Oh“ ist ebenfalls eine Interjektion. Sie wird gebraucht, um Erstaunen, Überraschen, Erschrecken oder ähnliche Gefühle auszudrücken. Als Substantiv taucht es z. B. auf in:

„Die Ohs und Ahs des Publikums.“

Da Oh in den meisten Fällen gebraucht wird, um einen Ausruf bzw. ein Gefühl hervorzuheben, steht nach dem Oh ein Komma.

Oh, wie schön das aussieht!

Soll jedoch keine Hervorhebung stattfinden, wird kein Komma gesetzt. (§ 79 (2))

Oh wenn sie doch schon da wären!

Könnte man „oh“ in diesen Fällen durch „o“ ersetzen? In den amtlichen Regelungen zur deutschen Rechtschreibung steht dazu nichts. Es fällt jedoch auf, dass, wenn eine der beiden Interjektionen Erwähnung findet, es „oh“ ist.

Was nun?

Hier helfen die allgemeinen Konventionen.

„o“

– nur in Verbindung mit einem festen Begleiter oder einer festen Wortgruppe:

O Gott!
O Mann!
O je/oje!
O ja, o nein!
O wie schön!

– und ohne Komma.

„oh“

– im Sinne des Ausdrucks einer starken Gefühlsregung.
– Entscheiden Sie, ob Sie den Ausdruck hervorheben wollen.
– Fällt Ihnen die Entscheidung schwer, setzen Sie ein Komma.

Oh, das ist aber kalt!
Oh, oh! (NICHT: O, o!)
Oh, wie wundervoll!
Oh, das überrascht mich!

Verwenden Sie die beiden Interjektionen nicht wahllos. Das verwirrt nicht nur Sie, sondern auch Ihre Leser! Entscheiden Sie sich, in welchen Fällen Sie die eine oder andere Schreibweise gebrauchen.

Schauen Sie mal ins Oxford Dictionary. Könnte das als Leitlinie für den Gebrauch im Deutschen dienen?

„o = an old spelling of oh [und]
used before a name when speaking to somebody in a prayer or poem
O Lord, save thy people.


Der #rechtschreibticker auf Facebook: immer donnerstags neu.